Vietnam

Der Jahreswechsel 2018/19 war unsere Vietnam-Zeit. Die Uhr haben wir sechs Stunden vorgestellt.

Wege

Vier Wochen Süd- und Zentralvietnam, mit einem unfreiwilligen Finale in Dubai – wieder haben wir diese Reise individuell zusammengestellt. Entscheidend dabei war das Wetter – Südvietnam mit seinem tropischen Klima ist das ganze Jahr über warm, auch im europäischen Winter, Nordvietnam ist subtropisch, da ist es zwischen den Jahren kalt und regnerisch. Wetterscheide in der Mitte des 1650 Kilometer langen Landes ist der Wolkenpass – ein wichtiger Engpass auch im Vietnamkrieg. Bis dahin sind wir gekommen.

Der Flug

Frankfurt–Dubai–Ho Chi Minh City, ebenso zurück. Mit Emirates, im A380.

Im Land: von Ho Chi Minh City nach Phu Quoc, und von Ho Chi Minh City nach Da Nang und zurück, mit Vietjetair.

Station 1: Ho Chi Minh City

Frau mit Kleinkind und MüllFrüher hieß die Stadt Saigon, und die Vergangenheit ist in dieser quirligen, hyperaktiven Stadt immer noch lebendig. Neben den Wochenmärkten mit überquellenden Obst- und Gewürzständen, den unzähligen Motorroller-Fahrern, die an der roten Ampel tatsächlich warten, aber dann wie eine Ameisenarmee losjagen, dem alltäglichen Leben, das sich auf der Straße abspielt, den Suppen-Restaurants zwischen Bordstein und Kochtopf, den armen Menschen, die im Müll wühlen – daneben hat Vietnam vor allem diese reiche schreckliche Geschichte zu bieten. Die Narben des Krieges, des Kampfes Nord gegen Süd, des Bürger- und des Stellvertreterkriegs, des Kampfes David gegen Goliath, und der daraus resultierenden Teilung, sind noch sichtbar. Die Vietnamesen machen das Beste daraus.

Frank Simoneit schaut aus einem TunnelanfangDie Tunnel von Cu Chi: Da haben die Vietnamesen eine Touristenattraktion draus gemacht. Man kriecht in die heißen, dunklen, metertiefen Tunnel, in denen die Guerrillakämpfer sich damals ihre Unterwelt einrichteten, mit Schule, Lazarett und einem Treppensystem, um das Gas der United States of America draußen zu halten. Die setzten deutsche Schäferhunde ein, um die Locals zu erschnüffeln.


Das alles erzählt Mr. Hi, unser kenntnisreicher Guide. Vor allem aber erzählt er, dass es kein Krieg des Volkes untereinander war, kein Nordvietnamesen gegen Südvietnamesen. Das will er nicht sagen – irgendwie müssen sie mit ihrer Vergangenheit ja fertig werden. Und ihren Frieden finden.

Station 2: Phu Quoc

SchnellbootfähreDie Insel, gelegen im Golf von Thailand in Sichtweite zu Kambodscha, gilt als das Phuket von morgen. Der Müll aus Thailand kommt schon jetzt an. Aber auch kilometerlange Sandstrände, eine weltberühmte Fischsoßenfabrik, an der man, weil unscheinbar, erst einmal vorbeifährt, und ein Strafgefangenenlager, in dem Widerstandskämpfer gebrochen wurden – das ist das Urlaubsparadies. Auffällig: die Müllproblematik. Überall auf unserer Reise war es sauberer als auf Phu Quoc.

PlatzmangelAbreise: mit der Superdong-Schnellbootfähre. Ausgerechnet am Abreisetag weht ein Wind, und das Wasser wird plötzlich betonhart. Nach drei Stunden Tortur weiter ins Mekongdelta: mit dem Sleepingbus. Egal ob Liegesitze oder Sitzliegen – auf jeden Fall nur für asiatische Durchschnittsreisende gebaut. Für europäische Durchnittsreisende die nächste Tortur.

Station 3: Mekongdelta, eine Insel gegenüber Vinh Long

Mekongdelta – die Gegend hält, was sich die eigene Phantasie vorher zusammengebaut hat. Eine agrarische Gegend, schließlich ist überall Wasser, mit Obst- und Gemüseanbau. Schiffe, Boote, Kähne, alles fährt nebeneinander vor unseren Augen her. Die Frühstücks-, Mittagsessen- und Abendessensterrasse unseres Homestays steht auf Stelzen im Mekong – ab und an paddelt Mogli im Einbaum vorbei.

KaraokeZu Fuß unterwegs, entkommen wir selbst in dieser Zurückgenommenheit (den ATM finde ich erst mit Hilfe unserer Wirtin, die mir auf ihrem Roller vorfährt) nicht dem vietnamesischen Volkssport Karaoke. Manchmal auch Kampfsport, jeder gibt schließlich alles. Mag die Hütte noch so gebrechlich und zusammengeschustert sein – die Musikanlage hat genug Watt, um die Predigt im Kölner Dom noch auf dem Münchener Marienplatz vernehmbar zu machen. Einmal kündigt sich schon in der Ferne eine junge, schrille Männerstimme an, die gerade ihren Stimmbruch hinter sich läßt. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen – in der Holzbude schmettert dann eine bestimmt 70jährige Oma voller Inbrunst ihr folkloristisches Liedgut. Volkssport Karaoke eben. Auch zum Lachen.

Station 4: Hoi An

viele bunte LampionsZentralvietnam, 25 Kilometer südlich von Da Nang (heute eine aufstrebende Boomtown mit toller Illumination nachts, damals der Strandabschnitt, wo die GIs erstmals auf vietnamesischem Boden anlandeten) – Hoi An verzaubert. Die Laternenstadt, die ganze Stadt ist mit Lampions geschmückt und beleuchtet, die Stadt, die als einzige im Vietnamkrieg nicht zerstört wurde – und deswegen mit alten Handelshäusern und Versammlungshallen von Portugiesen, Franzosen, Japanern und Chinesen glänzt. Ja klar sehr touristisch – aber trotzdem bezaubernd. 600 Schneider gibt es in der Stadt – wir haben unser Glück bei Faifoo gefunden. Die beiden Schwestern sind klasse. Hoi An bietet alles – Sandstrände, Reisbauern auf ihren Feldern, Folklore, Romantik.

Einen Tagesausflug haben wir in die alte Kaiserstadt Hue gemacht, über den Wolkenpass. Mit dem Boot auf dem Parfümfluss, die steinernen Mausoleumswächter des 12. Kaisers Khai Dinh in Reih und Glied, auch hier die Unterdrückung der einfachen Leute, der Bauern – Khai Dinh arbeitete zuerst für die Kolonialmacht Frankreich, beutete dann das Land zur Finanzierung seiner palastartigen Grabstätte aus.

Station 5: Ho Chi Minh City

Misses LonBereit für den Rückflug – hier schließt sich der Bogen. Der Vietnamkrieg hat uns die Reise über begleitet – jetzt besuchen wir das Remnants Museum, das Kriegsopfermuseum. Berühmte Kriegsreporter, in der Mehrzahl Amerikaner, sind berühmte Kriegsfotografen, sie sind mit ihren Werken ausgestellt. Reine Propaganda? Mitnichten. Das war so. Augsteins berühmter Satz: „Sagen was ist‟ kommt mir in den Sinn: Zeigen was ist. Misses Lon arbeitet auch hier. 28 Jahre, ein spätes Opfer des amerikanischen Gases, groß wie eine Liliputanerin, verkauft hier selbstgemachte Devotionalien. Erlaubt? Natürlich. Zeigen was ist. Und nicht vergessen.

Station 6: Dubai

Dubai durch GlasAch ja: unfreiwilliger Halt in Dubai? Weiterflug Dubai-Frankfurt um einen Tag verschoben, dem Streik des deutschen Bodenpersonals sei Dank. Glitzernde Fassaden – Glanz für das Regime. Burj Khalifa gesehen und erfahren – mit dem Aufzug in den 124. Stock. Dubai zu Füßen – wenn es nur immer so wäre.

Begegnungen

Saigon entspanntSaigon entspannt

Morgens in SaigonMorgens in Saigon

LosverkäuferLosverkäufer

Fischers HomestayFischers Homestay

Priesterin auf Phu QuocPriesterin auf Phu Quoc

Kurze PauseKurze Pause

Der MüllsammlerDer Müllsammler

Leben auf dem WasserLeben auf dem Wasser

Rasur liveRasur live

Drehscheibe MekongDrehscheibe Mekong

VolksheldVolksheld

In Hoi AnIn Hoi An

An der frischen LuftAn der frischen Luft

Weg zur ArbeitWeg zur Arbeit

ReisbauerReisbauer

SpielplatzSpielplatz

ParadeParade

Allein auf hoher SeeAllein auf hoher See

Bella Figura in HueBella Figura in Hue

Wieder an LandWieder an Land

Was bringt der TagWas bringt der Tag

SamstagseinkaufSamstagseinkauf

Sozialistische Republik VietnamSozialistische Republik Vietnam

MekongMekong

GesichterGesichter

VietnamsVietnams

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Nix passiertNix passiert

Zeigen was istZeigen was ist

Verkäufer im KriegsmuseumVerkäufer im Kriegsmuseum

Reporter sind FotografenReporter sind Fotografen

Allgegenwärtiger KriegAllgegenwärtiger Krieg

Dubai zu FüßenDubai zu Füßen

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